Aktion "Olympiaturm"

Teil 1: Der Einsatzauftrag

Mit dem Bau des Münchener Olympiaturms wurde 1965 begonnen. Als im Folgejahr das IOC (Internationales Olympisches Komitee) die Sommerspiele 1972 nach München vergab, fiel die Entscheidung, den Turm in das neu zu gestaltende Olympiagelände einzufügen. Mit 291 Metern Höhe (inkl. Antenne) ist er bis heute das höchste Gebäude Münchens und das zweithöchste in ganz Bayern. Im Turm wurden 52.500 Tonnen Stahl verbaut.

Wie bei jedem anderen Bauwerk, so sind auch beim Olympiaturm immer wieder Instandhaltungsarbeiten erforderlich. Für den April 2015 sind Renovierungsarbeiten am Turm geplant. Diese werden an unterschiedlichen Stellen des Turms von einem Gerüst aus durchgeführt, das in der Außenhaut des Turms verankert ist.

Die Höhenretter des THW Ingolstadt wurden Anfang des Jahres von der beauftragten Gerüstbaufirma kontaktiert. Da auch für die Gerüstbauer die Sicherheit ihrer Mitarbeiter höchste Priorität hat, sollen während allen Gerüstbauarbeiten Höhenretter in Bereitschaft stehen, damit bei Verletzungen oder anderen Gefahren für die Arbeiter, sofort Hilfe geleistet werden kann.

Das Ingolstädter THW wurde angefragt, ob es diese Sicherheitswachen und Rettungsaktionen aus 160 Metern Höhe durchführen kann.

Teil 2: Die Erkundung

THW Zugführer Anton Dorner und Bernd Sprenger, Gruppenführer der Höhenretter, verschafften sich Mitte März einen umfassenden Überblick über die Situation vor Ort. Ziel dieser Erkundung war es,

  • sich ein generelles Bild von den anstehenden Gerüstbauarbeiten zu verschaffen;
  • die baulichen Gegebenheiten des Turms an den relevanten Stellen zu erkunden;
  •  mögliche Gefahren für die einzusetzenden Höhenretter zu bewerten;
  •  den voraussichtlich entstehenden Aufwand (Zeit, Personal, Material) abzuschätzen.

Da das THW als Bundesanstalt privatwirtschaftlichen Unternehmen keine Konkurrenz machen darf (und möchte), wurde im nächsten Schritt bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) geprüft, ob für diesen Auftrag ein privatwirtschaftliches Unternehmen verfügbar wäre. Da dies nicht der Fall war, erteilte die IHK die für das THW erforderliche "Unbedenklichkeitsbescheinigung".

Letzter Schritt waren die Gespräche mit den Arbeitgebern der Helfer: da die Höhenretter ehrenamtlich tätig sind, müssen sie von ihren Arbeitgebern für THW Einsätze freigestellt werden. Aber auch dies gestaltete sich - dank des Verständnisses der Chefs - problemlos.

Mit Abschluss dieser Tätigkeiten waren die Voraussetzungen für den Start der Aktion "Olympiaturm" gegeben und die THWler konnten den Gerüstbauern ihre Unterstützung zusagen.

Teil 3: Die Vorbereitungen

Die Höhenretter verfügen neben der THW Grundausbildung über eine mehr als 80 stündige Spezialausbildung für die Bereiche "Absturzsicherung" und "Höhenrettung". Darüber hinaus stehen für jeden Helfer jährlich weitere 80 Stunden Weiterbildung in diesen Bereich auf dem Lehrplan. Damit verfügen die Helfer über das erforderliche "know-how", Rettungsarbeiten in Höhen und Tiefen durchzuführen.

Da der Einsatz in diesem Fall planbar ist, nutzen die Helfer die Gelegenheit, sich bereits im Vorfeld intensiv mit der Einsatzstelle und möglichen Einsatzszenarien zu befassen.

Der Gerüstbauer schuf hierfür eine perfekte Übungsgelegenheit: ein Teil des Gerüstes, das später im Turm verankert werden sollte, wurde in einer Lagerhalle des Unternehmers aufgebaut. Hier hatten die THWler die Möglichkeit, sich intensiv mit möglichen Anschlagpunkten für die Rettungsausrüstung auseinanderzusetzen und konkrete Rettungsszenarien zu trainieren.

Diese Übungseinheiten gaben den Helfern abschließend das Gefühl, gut auf den bevorstehenden Einsatz vorbereitet und entsprechend ausgerüstet zu sein.

(Fortsetzung folgt)

 

In einer fünfteiligen Serie berichten wir über unseren Höhenrettungseinsatz am Münchener Olympiaturm.